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Jazzmeeting 2017 2018-03-18T14:01:17+00:00

Jazzmeeting 2017

Die gesamte Dokumentation des Jazz Meetings 2017
ist unter www.jazzmeeting-niedersachsen.de nachzulesen

 

Workshops un d die Ergebnisse:

 

1. Workshop: Netzwerke
Wie funktioniert gutes Netzwerken in der niedersächsischen Jazzszene?
Themenbeschreibung
Studien zufolge hängt beruflicher Erfolg und Aufstieg neben Kompetenz und Leistung vor allem damit zusammen, wen man kennt und welche Fürsprecher man hat. Gerade in der Kulturbranche zählen Netzwerke und Kontakte besonders. Projekte, Aufträge und Jobs entwickeln sich mit Personen, die einem bekannt sind und denen damit ein Vertrauensvorschuss gegeben wird.
Dabei wird in formale und informelle Netzwerke unterschieden. Formale Netzwerke sind im Jazzbereich Zusammenschlüsse und Interessensverbände wie Musikerinitiativen, Jazzfördervereine oder die LAG-Jazz. Sie gründen auf einer Vereinsbasis und haben eine inhaltliche Ausrichtung und klare Strukturen. Dagegen bilden sich informelle Netzwerke aus persönlichen Kontakten. In einer mehr oder weniger lockeren Vernetzung bringt jede dazukommende Person das Knowhow ihres jeweiligen Netzwerkes mit ein.
Die Grundlage eines jeden Netzwerkes bilden Kooperation, Austausch, Geben und Nehmen. Wichtig für jeden Netzwerker ist also neben der Verfolgung eigener Ziele zu wissen, was er selber mitbringt und dies aktiv anzubieten. Allen Netzwerken gemein ist, dass sie gepflegt werden müssen, um wirksam zu sein.
Zusammenfassung
Der Workshop „Netzwerke“ wurde von Jonas Pirzer, ehemaliger Geschäftsführer der UDJ, geleitet. Als Referentin war Bettina Bohle zu Gast, die über ihre Erfahrungen als Geschäftsführerin der IG Jazz aus Berlin berichtete.Es wurde darüber diskutiert, wie formale Netzwerke organisiert sein müssen, um den Beteiligten Vorteile zu bringen. Weiter stellte sich die Frage, ob Projektarbeit oder Lobbyarbeit wichtiger ist, um Ziele zu erreichen. Wie wichtig sind institutionalisierte Strukturen, um Beständigkeit an den Tag zu legen und wie könnte das ideale Netzwerk für Niedersachsen aussehen?

Ergebnisse
Organisation von Netzwerken
• die Ziele eines Netzwerks müssen klar formuliert und priorisiert sein (z.B. Spielstättenförderung, Auftrittsbedingungen)
• der kommunikative Mehrwert des Netzwerks muss hervor-gehoben werden
• Service und Informationen stellen ein Basisangebot dar
• Öffentlichkeitsarbeit ist wesentlich für die öffentliche Wahrnehmung und dient der Markenbildung
• durch Allianzen treten Synergien auf, deren Vorteile kommuniziert werden sollten
Projekt- oder Lobbyarbeit?
• Projektarbeit bestimmt die Außen-wirkung, Lobbyarbeit passiert im Hintergrund
• wichtige politische Multiplikatoren müssen gezielt angesprochen werden, dafür müssen „Türöffner“ gefunden werden
• Die ästhetischen Präferenzen des politischen Gegenübers sollten berücksichtigt werden, auch eine Perspektivübernahme ist erforderlich
• Erfolgreiche Projekte sind ein wichtiges Aushängeschild
Wie wichtig sind institutionalisierte Strukturen?
• Ehrenamtliche Strukturen sind nicht langfristig und nachhaltig
• Verbindlichkeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit sind Grundvoraus-setzungen, die ehrenamtlich nicht immer gegeben sind
• die Einrichtung von Geschäftsstellen hat demnach eine hohe Bedeutung. Wenn dafür keine Mittel vorhanden sind, kann schon eine symbolische Geschäftsstelle ein guter Start sein.
Wie kann das Netzwerk in Niedersachsen aussehen?
• Die LAG Jazz ist die „richtige“ Institution, um die Jazzinteressen in Niedersachsen zu bündeln.
• unter ihrem Dach sollten neben Jazzmusiker*innen möglichst viele Spiel-stätten, Vereine und Initiativen einge-bunden werden
• die LAG Jazz braucht einen Strategie-und Leitbildprozess, um Ziele zu klären und sich zu entwickeln
• Allianzen der LAG-Jazz mit Musikland Niedersachsen, Landesmusikrat, Kultur-management- Infrastruktur Hildesheim/ Hannover bilden ein professionelles Netzwerk auf übergeordneter Ebene
die regelmäßige Wiederholung des Jazz-meeting Niedersachsen bietet eine Möglichkeit für formalen und informellen

2. Workshop Wie geht praxisorientierte Ausbildung?
Start in den Arbeitsmarkt als Musiker*in – die optimale Vorbereitung entwickeln.
Themenbeschreibung
Zahlreiche Musiker*innen machen ihre Abschlüsse an den Hochschulen in Niedersachsen und ganz Deutschland. Danach müssen sie sich orientieren. Besonders im Jazz (aber auch im Pop und inzwischen in der Klassik) ist eine flexible Selbstständigkeit häufig die erste Wahl. Aus fünf Tätigkeitsfeldern setzen die Künstler*innen ihren Einkommensmix individuell zusammen: Künstlerische Arbeit mit Auftritten und Aufnahmen sowie Komposition; pädagogische Arbeit an Musikschulen, Hochschulen oder individuell im Einzelunterricht; Dienstleistung als Musiker*in in wechselnden Zusammenhängen (Coverband für Gastronomie, Hochzeiten oder Messen oder Side(wo)man von erfolgreichen Popmusiker*innen) und schließlich in der Kulturarbeit als Organisator*in von Projekten vom Festival über die Musiker*innen-Selbstorganisation bis zur Musikvermittlung. Dazu kommen natürlich noch die organisatorischen Pflichten einer selbstständigen Tätigkeit wie Netzwerken, Marketing, Buchhaltung, Steuererklärung usw. Jeder dieser fünf Bereiche ist wichtig, die aktuellen Schwerpunkte in der Ausbildung liegen aber eher nur im künstlerischen, ggf. noch im pädagogischen Feld. Im Workshop ging es nun darum zu fragen, ob die Absolvent*innen auf diese Umstände optimal vorbereitet werden? Was sollten sie dafür lernen? Und was können sie von ihrer Ausbildung erwarten?
Zusammenfassung
Der Workshop begann mit dem Impulsvortrag „Wie geht praxisorientierte Ausbildung?“. Lorenz Grünewald-Schukalla stellt insbesondere Erfahrungen aus seinem Musikstudium an der Popacademie Enschede vor, an der er einen Abschluss als Gitarrist gemacht hat. Er zeigte, wie dort die Ausbildung musikalischer Kompetenzen mit unternehmerischen Projekten verbunden wurde. Dabei wurde er sehr deutlich, was die Diskussion im Workshop später belegt hat: Bereits zu Beginn des Studiums wurden in Enschede romantische Vorstellungen einer exzellenten Musikkarriere zerstört: Nur sieben Prozent der Musiker*innen konnten 2006 in Holland gänzlich von der Bühne leben. Unter diesem Mantra werden am Konservatorium Enschede Patchwork-Karrieren entwickelt. Entscheidend ist keine musikalische Exzellenz in einem begrenzten Repertoire, sondern die Fähigkeit, eigene Musikaktivitäten in selbst organisierten Konzerten und Festivals zu entfalten, Musikschulen zu gründen oder Labels zu managen. Dazu gehört auch ein früher Fokus auf Medienkompetenzen. Eigene mySpace-Pages gehörten neben Business Plänen bereits 2007 zu den Prüfungsleistungen. Als Resultat können sich die Studierenden besser in den 360-Grad Netzwerken der Musikwirtschaft bewegen und ihre Partnerschaften für Musikprojekte konfigurieren. Heute zählt dazu neben der Vernetzung mit Fans immer mehr die Arbeit mit Unternehmen, die auf Musik und ihre Szenen vertrauen, um ihre Marken zu entwickeln.
Im Anschluss an diesen Impuls wurden von den Vertretern der Hochschule für Musik, Theater und Medien (Arne Jansen, Dr. Raphael Thoene, Prof. Jonas Schoen vom Jazz/Rock/Pop-Institut und Univ.- Prof. Dr. Carsten Winter und Aljoscha Paulus aus dem Bereich Medien- und Musikmanagement des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung), ihren Studierenden und den Gästen die Möglichkeiten erörtert, Studierende früher und angemessener auf berufliche Anforderungen vorzubereiten. Dabei spielte das gemeinsame Projekt „Hanover: the new Jazzpreneur“, das quasi auf dem Jazzmeeting mit diesem Workshop gestartet wird, eine große Rolle. Im Rahmen des auf ein Jahr angelegten großen Forschungsprojekts sollen alle Anspruchsgruppen der Jazzszene Hannover erforscht und darüber die Möglichkeiten von Hannover erforscht werden, zu einem Ort zu werden, an dem alle Leute, die etwas in Bezug auf Jazz unternehmen wollen – von den Künstler*innen über Labels, Musiknetzerker*innen, Veranstalter*innen, Lehrende und Studierende bis hin zum Jazzpublikum, mehr Möglichkeiten erhalten. Erste Forschungsergebnisse sollen auf der Jahrestagung von Musikland Niedersachsen vorgestellt und diskutiert werden.

Ergebnisse:
Wichtigstes Ziel soll das Verbessern der Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsinstitutionen und Szene sein, damit erstens Innovationstransfer in die Region hinein stattfinden kann, zweitens die Studierenden sich in der Praxis mit Konzertorganisation oder Recording Sessions erproben können und drittens damit schließlich Synergien erreicht werden können.
Für Studierende steht damit eine individuelle Profilschärfung im Rahmen des Jazz-Hochschulstudiums mit einer starken Integration von Praxisnähe in den Studienablauf an. Dazu gehört die Erprobung und Erforschung interdisziplinärer Kompetenzen: Netzwerkbildung, Social Media- Kulturen (inkl. Formatentwicklung), Kompetenz bei gleichzeitiger Verkörperung von Kunst und persönlicher Identität. Schließlich kann eine Hochschule so einen Raum schaffen, indem man auch künstlerisch scheitern darf

3. Workshop Wie sieht (die ideale) Jazzförderung aus?
Realität und Visionen für Jazzförderung in Niedersachsen
Thema:
Kulturförderung ist ein weites Feld. Ist es hinreichend bekannt? Von der Kommune über die Regionen und Landschaften, über Landesministerien bis hin zu Bundesministerien, von den zuständigen Referaten (neben Kultur auch Bildung, Soziales), der Stiftungslandschaft über potenzielle Sponsoren bis zum Crowdfunding? Werden schon alle Förderprogramme genutzt, die auch dem Jazz grundsätzlich offenstehen? Umgekehrt: Welche Förderprogramme passen zum Jazz? Was macht ihn aus?
Bei sehr engen Grenzen der Künstlerförderung sind für die in Niedersachsen übliche einjährige Projektförderung Effekte nachzuweisen – etwa für das Land Niedersachsen. Weiterhin ist ein Mittelmix anzustreben: neben einer öffentlichen Förderung werden Eigenmittel, Einnahmen, weitere Drittmittel von Stiftungen oder Sponsoren und finanzielle Sicherheit vorausgesetzt. Auf diese Begrenzung der Förderung trifft eine ebenfalls begrenzte Professionalisierung der Jazzakteure in Bezug auf Antragstellung und Selbstmanagement sowie eine begrenzte Tragfähigkeit von Verbänden und Lobby. Wie lässt sich diese Situation verbessern?
Zusammenfassung:
Friedhelm Schulz stellt im Workshop die Arbeit des Jazzverbands Baden Württemberg vor. Dieser Verband ist ein Zusammenschluss von mehr als 40 Jazzclubs, die nach 30 Jahren kontinuierlicher politischer Lobbyarbeit, Aufklärungsarbeit über die Leistungen der Jazzszene, Aufräumen mit Vorurteilen und Verfolgen von Themen wie z.B. Mindestgage eine mehrteilige Jazzförderung erreicht haben. Eine institutionelle Geschäftsstelle organisiert und koordiniert den Landesjazzpreis und Lebenspreis; das Landesjazzfestival, das von Jahr zu Jahr durch die Clubs wandert; die Musikerförderung durch Mittelausschüttung an Clubs nach Konzerten, die Tour- bzw. Exportförderung durch Reisekostenzuschüsse für Konzerte außerhalb Baden-Württembergs.
Der niedersächsische Jazzverband, die LAG-Jazz, vertritt demgegenüber vorwiegend Einzelmitglieder und kaum Clubs. Entsprechend limitiert ist die Range, in der er sich bewegt. Es kommt zudem zu Problemen, wenn etwa ein Ehrenamt (z.B. Vorstand LAG) eine honorierte Projektarbeit grundsätzlich ausschließt.
Neben der grundsätzlichen Förderung ging es im Workshop auch speziell um Spielstätten in Hannover. Mehrere renommierte Clubs können die Arbeit, mehr als jeweils 150 Konzerte im Jahr zu organisieren, auf ehrenamtlicher Basis kaum noch leisten und benötigen dringend eine hauptamtliche Geschäftsführung. Es stellt sich die Frage, ob sie nicht bessere Chancen haben, wenn sie gemeinsam mit der Stadt verhandeln als jeder einzeln. Ohnehin wäre eine engere Zusammenarbeit mit Absprachen etwa zur Terminabstimmung sinnvoll und notwendig. 13

Ergebnisse:
• Das Gewicht der LAG-Jazz als Sprachrohr wächst mit der Anzahl an Mitgliedern. Hier spielen neben den Einzelpersonen insbesondere Clubs, Initiativen und Vereine eine Rolle. Nur als mitgliederstarke Organisation kann die LAG auch eine starke Lobbyarbeit betreiben!
• Erfolgsfaktoren in Bezug auf verbesserte Förderstrukturen sind Seriosität, Beharrlichkeit, Geduld, Glück, Vertrauen, transparente Verfahren
• Der Ruf nach Förderung muss von guten Ideen und Argumenten begleitet werden. Sie werden einer Förderung sogar vorangehen müssen. Insofern muss die Jazzszene hier in Vorleistung treten!
• Notwendig ist ein Perspektivwechsel: Denken in Projekten, mit denen sich Förderkriterien erfüllen lassen!
• Eine gute Dokumentation, die die positive Entwicklung der niedersächsischen Jazzszene und die Bereicherung der kulturellen Landschaft durch sie greifbar macht, ist ein sinnvolles Mittel, um Entscheider (Politik, Förderer, etc.) zu überzeugen.
Vision:
Förderung, die grundsätzlich etwas bewegen will, sollte:
• institutionell fördern
• langfristig angelegt sein
Hauptamt als Notwendigkeit mitdenken

4. Workshop Wo ist das Publikum?
Audience Development im Jazz – Den eigenen Weg zum Publikum finden
Themenbeschreibung
Fehlendes Publikum ist natürlich ein Grundübel aller Kunst. Vor allem, wenn eine Kunst sich populär nennt, eine gewisse Relevanz beansprucht und zudem stark von den damit verbundenen Einnahmen abhängig ist. In der niedersächsischen Jazzszene gibt es vielfältige Erfahrungen: ausverkaufte Festivals, gutgehende Reihen und erfolgreiche Clubs stehen leeren Rängen, Überalterung und fehlender Neugier auf Neues gegenüber. Insgesamt sind sich aber alle Veranstalter einig, dass Audience Development gerade mit Blick auf die zukünftige Entwicklung ein wichtiges Thema ist. Jedenfalls gibt es Ideen und Methoden, aktiv am und mit dem Publikum zu arbeiten und die wurden im Workshop betrachtet.
Zusammenfassung
Als Beispiel für positive Erfahrungen mit dem Publikum stellte der künstlerische Leiter Sebastian Studnitzky das Berliner XJAZZ Festival vor. Das 2014 gegründete Festival hat die Kreuzberger Clubszene erobert und präsentiert mit größtenteils Berliner Künstler*innen ein weitgefasstes hochklassiges Programm zwischen Free Jazz über Neo-Klassik bis Pop. Der überaus große Publikumszuspruch basiert neben dem interessanten Programm auf einer klaren Idee und Wissen vom Publikum inklusive einer entsprechenden Kommunikationsstrategie mit Schwerpunkt Social Media, guter, einprägsamer Gestaltung und einer starken Marke. Eine Marke wird als transportable Identität verstanden, die die Haltung des Veranstalters klar vermittelt.
Anhand dieses positiven Beispiels haben wir gemeinsam auf die individuellen Erfahrungen geschaut, Problemstellungen analysiert, Ziele definiert und Ideen entwickelt, diese zu erreichen. Ob es das Finden von Nichthörern, eine Verjüngung des Publikums oder das Schließen der Generational Gap ist – mit der Kernfrage „Wer soll kommen?“ entwickelten wir neue Wege anhand der Projekte der Teilnehmer*innen. Wenn man weiß wo und wie die zu erreichenden Menschen unterwegs sind, kann man sich zu ihnen auf den Weg machen. Mit Blick auf die Ressourcen kann so ein Fokus entwickelt und die Kommunikation gezielter gesteuert werden. Mit der eingesetzten Energie des persönlichen Engagements können neue Querverbindungen geschaffen und so Leute an den Jazz gebunden werden. Eine Jazzinitiative will z.B. eine Kooperation mit einem erfolgreichen studentischen Festival vor Ort eingehen oder eine Musikerin Kulturschaffende anderer Genres ansprechen, um in Ateliers usw. Konzerte zu veranstalten, die einen Kooperationsgedanken leben und so neue Verbindungen herstellen. Die meisten Jazzakteure sind mit konkreten Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit aus dem Workshop gegangen.

Ergebnisse:
• Auf Leute zugehen ist die Kernaufgabe, neue Brücken zu schlagen und ungewöhnliche Verbindungen herzustellen führt zu neuem Publikum.
• Eine klare Vorstellung vom Publikum hilft dabei, sich Fragen zu beantworten – Was ist die Motivation der Gäste, zum Konzert oder Festival zu kommen? Was erwarten sie von der Veranstaltung? Was brauchen sie?
• Gleichzeitig können so die analogen und digitalen Orte erkannt werden, an denen dieses Publikum erreicht werden kann.
• In die Ressourcenplanung muss der Mehr-Kommunikationsaufwand integriert und nicht als Add-on zum Konzert/Festival verstanden werden. Dies beinhaltet nicht nur Geld, sondern viel wichtiger auch Zeit (bezahlt oder im Ehrenamt).
Die visuelle Identität ist ein wichtiges Medium und sollte regelmäßig überprüft, ggf. verändert und den neuen Zielen ange-passt werden.

5. Workshop Was ist mit Mindestgage?
Bewusstsein schaffen für faire Bedingungen
Mindestgage und Mindestlohn werden in der Diskussion häufig gleich gesetzt. Schnell wird die Forderung nach einer Mindestgage als realitätsfern kritisiert. Schließlich arbeiten die meisten Veranstalter ehrenamtlich und haben kaum Geld zum Verteilen. Was soll da also eine Debatte um Mindestgage?
Ablauf
Im Workshop war Gebhard Ullmann, Musiker und Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) als Experte geladen. Die UDJ setzt sich schon seit längerem mit dem Thema auseinander und verfolgt neben weiteren Zielen eine angemessene Vergütung durch Mindestgagen und damit eine soziale Absicherung für Jazzmusiker*innen zu erreichen. Im Workshop wurde das Thema durch Fragestellungen in vier Bereichen genauer definiert: Worum geht es jedem Einzelnen? Was sind die wichtigsten Schlussfolgerungen aus der Jazzstudie, die mit aktuellen Daten das Prekariat der Jazzmusiker*innen belegt? Welche Rolle spielen die „Arbeitgeber“, sprich Veranstalter, die ja meist ehrenamtlich arbeiten, wer zahlt die besten Gagen, und sind Publikum oder Förderung die Ansatzpunkte, um zu mehr Geld zu kommen? Welche Rolle spielen Förderer in Bezug auf Mindestgage? Haben sie ein Bewusstsein für angemessene Konditionen sowohl für Musiker*innen als auch für Initiator*innen?
Besonders intensiv wurden folgende drei Punkte diskutiert:
• Selbstorganisierte und zumeist ehrenamtlich organisierte Initiativen sind ein wichtiger Arbeitgeber für Jazzmusiker*innen. Kommerzielle Veranstalter als Arbeitgeber spielen eine untergeordnete Rolle, insbesondere im zeitgenössischen Jazz. Daraus lässt sich ableiten, dass Initiativen und Vereine als wesentliche Arbeitgeber für Livemusik zuverlässige unterstützende Förderstrukturen benötigen, auch in Bezug auf ihre Verwaltungsarbeit.
• Das Bewusstsein für faire Gagen und Produktionsbedingungen muss bei Förderinstitutionen, Verwaltung, Musiker*innen und Veranstalter*innen gestärkt werden. Die Willenserklärung der UDJ hat dies auf Bundesebene vorgemacht. Durch die Formulierung von Mindeststandards wurde insbesondere den Initiativen für die Akquise von Fördermitteln ein wertvolles Instrument zur Verfügung gestellt.
Die Diskussion um Lebens- und Arbeitsbedingungen von Jazzmusiker*innen ist durch die Jazzstudie der UDJ an die Öffentlichkeit gelangt. Die Studie dient als Instrument, um das Standing der deutschen Jazzszene im p
Handlungsauftrag aus dem Workshop:
Das Bewusstsein für faire Gagen- und Produktionsbedingungen soll mit Fokus auf Niedersachsen gestärkt werden. Langfristiges Ziel ist die Formulierung einer „Willenserklärung von Musiker*innen und Veranstalter*innen im Jazz“ nach Vorbild der UDJ auf Landesebene. Kurzfristiges Ziel ist ein gemeinsames Statement von Initiativen und Vereinen aus Niedersachsen für angemessene Gagen- und Produktionsbedingungen. Parallel dazu soll die Forderung gestellt werden, die gut funktionierenden Verbandsstrukturen der Initiativen und Vereine als wichtige Arbeitgeber für Musiker*innen zu stärken. Adressat hierfür ist die Förderlandschaft Niedersachsens

6. Workshop Wohin soll es gehen?
Der LAG-Jazz als zentralem Dachverband in Niedersachsen mehr Gewicht geben
Die LAG-Jazz muss Clubs und Initiativen für eine Mitgliedschaft gewinnen, damit sie nicht nur Einzelinteressen von Jazzmusiker*innen, sondern auch die von Veranstaltern vertreten kann. Letztlich wirken sich verbesserte Strukturen wieder positiv auf die Bedingungen für Musiker*innen aus. Ein Strategie-und Leitbildprozess der LAG Jazz ist nötig, um Ziele zu klären, zu priorisieren und sich eindeutig auszurichten. All diese Schritte sind ehrenamtlich kaum leistbar und würden durch eine institutionelle Förderung der LAG-Jazz vorangetrieben und intensiviert werden.
Durch langfristige zuverlässige Förderung die Jazzszene nachhaltig weiterentwickeln
Der stärkere Wettbewerb um Aufmerksamkeit auf dem aktuellen Kulturmarkt macht eine Professionalisierung erforderlich, um die Vielschichtigkeit der Kommunikationswege bedienen zu können, die bürokratischen Vorgänge zu erledigen oder die an Bedeutung zunehmende Vernetzung der Akteure des Jazz voranzutreiben. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass ehrenamtliche Arbeit allein in diesen Bereichen an ihre Grenzen stößt und neben der LAG-Jazz auch die Jazzspielstätten hauptamtliche Mitarbeit benötigen, um sich weiterentwickeln zu können.
Bestehende Förderprogramme nutzen
Jazzmusiker*innen sollten einen Perspektivwechsel vornehmen, sich orientieren, was Entscheider als förderungswürdig ansehen und entsprechende Programme entwickeln. Allen Jazzmusiker*innen gemeinsam obliegt die Aufgabe, Ideen zu entwickeln, wie Jazz nicht nur den kleinen treuen Kreis bisheriger Fans erreicht, sondern in der Öffentlichkeit präsenter wird und ein positives zeitgemäßes Image bekommt.
Neues Publikum durch neue Konzepte und Kommunikationswege gewinnen
Audience Development bedeutet neue Wege einzuschlagen, neue Formate zu erproben, Kooperationen mit anderen Kunstformen oder gänzlich neuen Bereichen einzugehen. Daneben müssen auch die Kommunikationswege genutzt werden, die für diese Bereiche oder Publikumsgruppen üblich sind. So kann neues Publikum erschlossen werden und mehr Aufmerksamkeit erregt werden als durch das übliche Konzertformat. Auch die Schule ist ein bislang kaum erschlossener Ort, an dem Jazzmusiker*innen Entwicklungspotential haben. 19
Die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsinstitutionen und der Jazzszene verbessern
Von der Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Jazzszene und Ausbildungsinstitutionen profitieren beide Seiten, indem die Szene neue Impulse bekommt und die Studierenden durch die praxisbezogene Umsetzung von Musik interdisziplinäre Kompetenzen entwickeln können.
Für faire Arbeitsbedingungen sensibilisieren durch die Forderung nach Mindestgage
Die Mindestgage gibt einen Orientierungsrahmen vor, welcher Betrag für professionelle Musiker*innen eine angemessene Honorierung darstellt. Sie fördert die Diskussion um faire Produktionsbedingungen, holt die Honorarverhandlungen von der persönlichen auf eine gesellschaftspolitische Ebene und stellt als Bezugsgröße eine Verhandlungsgrundlage dar, die auch für Förderanträge berücksichtigt werden sollte.